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Der Palast von König Sargon II. - "Dur Scharrukin"

Der Franzose Paul Emile Botta und seine Funde in Khorsabad (1843)


Die Entdeckung der Sargonsburg "Dur Scharrukin"

Paul Emile Botta war seit 1840 französischer Konsularagent in Mossul. Er suchte leidenschaftlich nach orientalischen Altertümern, fand aber trotz intensiver Bemühungen keinen größeren Fundplatz.

Im Jahre 1842 wurde der Franzose Paul Emile Botta von der französischen Regierung nach Mossul geschickt, um dort in den verheißungsvollen Hügeln von Ninive zu graben. Im Dezember gab es die ersten Spatenstiche in den Ruinen, doch in den ersten sechs Wochen fand Botta sehr wenig.

Als in der Gegegend wohnhafte Araber erfuhren, daß Botta sich für Steinreliefs interessierte, erzählten einer von ihnen ihm, daß 22 Kilometer weiter nördlich ein zweiter Hügel sei, in dem man solche finden könne. Botta glaubte ihm jedoch nicht und schickte ihn weg. Als der Araber aber wieder kam, gab ihmn Bott einige seiner Leute mit. Acht Tage später kamen sie zrück und berichteten voll Aufregung, daß unter dem Hügel von Korsabad Mauern zum Vorschein gekommen seien, die mit Inschriften, Reliefs und vielen schrecklichen Tieren geschmückt seien.

Botta eilte sofort nach Khorsabad und überzeugte sich, daß die Nachricht stimmte. Mit großem Eifer begann er 1843 zu graben und wurde fündig. Er entdeckt, wie erst später offenbar wurde, "Dur Scharrukin", den Palast des assyrischen Königs Sargon II.. Es war die prächtigste assyrische Tempelanlage, die je gefunden wurde. Erst zwei Jahre später stellte er die Arbeiten dort wieder ein.

Dicht unter der Erdoberfläche stieß er auf Mauern eines großen Palastes. Auf der Innenseite der Ziegelwände waren Steinplatten mit eingemeißelten Bildern und Inschriften in Keilschriften angebracht. Bei den Haupteingängen standen riesige, bis 4,8 Meter hohe geflügelte Stiere.

Botta war begeistert. Er stellt weiter Arbeiter ein, um die gemeißelten Steine auf Karren an den Tigris zu bringen. Dort sollten sie nach Frankreich verschifft werden. Als die Steine Paris erreichten, verursachten sie ein wahre Sensation. Das öffentliche Interesse wuchs noch mehr, als sich herausstellt, daß der Palast dem Assyrerkönig Sargon II. (721 - 705 v.Chr.) gehört hatte, der in Jesaja 20,1 erwähnt wird.



Der assyrische König Sargon II.

In seinen Annalen berichtet Sargon II., Samaria erobert zu haben. Diese hatte sein Vorgänger Salmanasser V. (727 - 722 v.Chr.) drei Jahre lang bis zu seinem Tod am 20. Dezember 722 (oder 18. Januar 721 v.Chr.) belagert. Er berichtet auch über die Einnahme Aschdods, von der in Jesaja 20,1 die Rede ist (Dies ist die einzige Stelle im Alten Testament, die ihn erwähnt).

Jes 20,1 "In dem Jahr, in dem der Tartan nach Aschdod kam, als Sargon, der König von Assur, ihn gesandt hatte und er gegen Aschdod kämpfte und es einnahm, ..."

Sargon II., von dem einst viele führende Gelehrte glaubten, es habe ihn nie gegeben, gehört heute zu den assyrischen Königen, über die man am meisten weiß.

Sargon II. (assyrisch "Scharru-ukin" [der Gott hat das Königtum errichtet] war der Stammvater der assyrischen Sargoniden.

Er wurde Nachfolger von Salmanassar V. als er 721 v.Chr. den assyrischen Thron bestieg. Er begründete die Dynastie der Sargoniden.

Er führte ein kriegerisches Leben, weitete sein Herrschaftsgebiet durch Feldzüge nach Syrien, Palästina, Urartu, Medien und Babylonien aus und ließ nach eigenen Plänen die neue Hauptstadt "Dur Scharukkin" (Khorsabad) erbauen.

Als Sargon II. den Palast "Dur Scharrukin" erbauen ließ, befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Um sich selbst ein Denkmal zu stetzen und seine Macht zu demonstrieren, ließ er 20 Kilometer nordöstlich der alten Hauptstadt Ninive am Fuße des Gebel Musri die neue Hauptstadt des assyrischen Reiches erbauen. 707 v.Chr. konnte er nach nur sechsjähriger Bauzeit in seiner neue Residenz einziehen. Als er jedoch zwei Jahre später starb, kehrte sein Nachfolger Sanherib in die alte Hauptstadt Ninive zurück. Trotzdem wurde die Stadt erst nach der Verwüstung durch die Truppen einer babylonisch-medische Koalition im Jahr 612 v. Chr. zerstört.

Die Residenz war keine Stadt im herkömlichen Sinne, eher eine Zitadelle, wurde nahezu quadratisch angelegt (1760 m auf 1635 m) und umfaßt eine Fläche von rund 3 km². Dur Scharrukin wurde von einer mächtigen Mauer mit 183 Türmen und mit sieben Toren umgeben.

Im Palast gab es zahlreiche Repräsentations- und Wohnräume, Tempelanlagen und Wirtschaftstrakte. Beherrscht wurde die Residenz von einer vermutlich siebenstufigen, 42,6 m hohen Zikkurat.

Der Palast war die größte je geschaffene Residenz des Orients. Neben dem Königspalast, der Tempelanlagen (unter anderem eine Nabu-Tempel) und Verwaltungsgebäude gab es auch mehrere Prinzenpaläste innerhalb der Zitadelle. Auch außerhalb der Mauern gab es einen weiteren Palast, sowie einen zweiten, sogar befestigten Palast, der als Wohngebäude und Arsenal genutzt wurde.

Auf einem Kriegszug gegen Tabal kam Sargon II. 705 v.Chr. ums Leben und blieb unbestattet. Sein Sohn Sanherib (705-681 v.Chr.) wurde sein Nachfolger. Der maßlose Sanherib ließ seinem Haß gegenüber seinem Vater freien Lauf. Er befahl, dessen neuerbaute Residenz zu zerstören.



Die Funde in Khorsabad

Botta arbeitete mit über dreihundert Arabern und grub vierzehn Säle eines grandiosen Palastes aus, die mit riesigen Torwächtern in Gestalt menschenköpfiger Flügeltiere und einer Unzahl prachtvoller Reliefs geschmückt waren. Botta wählte die besten Stücke aus, ahnte nicht, daß er nur einen Teil der riesigen Schätze aufgefunden hatte.

In schwieriger Kleinarbeit verfrachtete er seine "Ausbeute" nach Basra, und erst 1846 konnte man sie in Le Havre wieder ausladen. Die Ausstellung seiner Funde im Louvre, Mai 1847, war eine Sensation für die damalige Zeit. Botta erntete jedoch keinen Dank. Im Zusammenhang mit der Revolution des Jahres 1848 wurde er seines Postens enthoben und nach Tripolis strafversetzt. Er durfte nie mehr nach Paris zurückkehren.

Sein Nachfolger, der Konsul Victor Place, setzte die Grabungen in Khorsabad fort, konnte fast zweihundert weitere Räume und über dreißig Höfe freilegen. Seine Ausbeute - sie füllte 235 Kisten - ließ er auf Barken verladen. Eine sank bei einem Überfall der Beduinen. Dann ging eine weitere Barke unter. Unglück auf Unglück folgte und es konnten nur 26 Kisten gerettet werden. Sie erreichten 1856 den Louvre. Place fiel später ebenfalls in Ungnade und starb im Exil in Rumänien.

Nach diesem Erfolg hatte Botta seine diplomatische Karriere - wie vorher die ärztliche - aufgegeben und sich nun ganz der Archäologie zugewandt. Er holte aus dem Dunkel vieler Jahrtausende unzählige Kolossalsäulen, Hunderte von kleineren Alabasterstatuen, mehrere Eingangsportale, viele Tafeln aus Ton und künstlerisch bedeutende Reliefs ans Licht.

Als er aus Khorsabad schied, wußte er, daß er den Sommerpalast mit seinen 209 Räumen und 30 Sälen, das "Versailles" des assyrischen Königs Sargon II. gefunden hatte.

Bottas veröffentlichte seine archäologischen Erfoge in dem fünfbändigen Werk "Denkmäler von Ninive" (1847-1850) und legte damit den Grundstein zu einer neuen Wissenschaft, der Assyriologie.

In Achères bei Poissy starb Paul Emile Botta am 29. März 1870.

Die Funde aus Dur Scharrukin sind heute über die halbe Welt verteilt und finden sich im Louvre in Paris, im British Museum in London, in der Eremitage in Sankt Petersburg, in Bagdad und Chicago.





Internet

Virtuelles Museum - Assyriologie © Vatikanische Museen (Liste der Exponate)

Ziegel mit Inschrift Sargons II © Vatikanische Museen (mit dem Hinweis auf die Festung Sargons)

Geschichte des Irak © G26

Dur Scharrukin © Wikipedia

Paul-Emile Botta © Historisches Seminar der Universität Zürich

Assyrische Paläste ©: Wikipedia



Literatur

Alan Millard, Schätze aus biblischer Zeit, Brunnen-Verlag, 1986, ISBN 3-7655-5762-5 (vergriffen)

Hans Einsle, Das Abenteuer der biblischen Forschung, Gütersloh: Prisma-Verlag, 1979, ISBN 3-570-09805-2 (vergriffen; mit einer s/w Grafik der Burg und eines Palastreliefs), S. 71f

Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht, Düsseldorf: Econ-Verlag, 1955

Edward Chiera, Sie schrieben auf Ton, Zürich: Orell Füssli Verlag, 1941, 2. Auflage (mit diversen Abbildungen) (vergriffen)



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Ins Netz gesetzt am 06.01.2005; letzte Änderung: 11.06.2010

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