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"Bauten der Mameluken" in Jerusalem

Sehenswürdigkeiten im arabischen Altstadtviertel von Jerusalem

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Kurze Information

Im südlichen arabischen Viertel befinden sich eine Reihe von mamelukischen Bauten mit sehenwerten Fassaden.

In diesem Dokument werden die Bauten in der Reihenfolge von Norden nach Süden beschrieben (siehe interaktive Karte).



Hammam el-Ayn Hammam esh-Shifa Imaret von Khasseki Sultan Khan es-Sultan Madrasa Arghuniyya Madrasa Jawhariyya Madrasa Muziriyya Oberstes Islamisches Gerichtd-Din Osmanische Brunnen Ribat Alla ed-Din Ribat Bayram Jawish Ribat Kurd Ribat Mansuri Serai es-Sitt Tunshuq Suq al-Qattanin Turba Barakat Khan Turba es-Sitt Tunshuq Turba Kilaniyya Turba/Madrasa Tashtamuriyya Turba/Madrasa Taziyya Turba Dschaliqiyya Turba Turkan Khatun Turba Sadiyya Ribat Nisa Madrasa Tankiziyya Deutsch-Lutherische Erlöserkirche



Ausführliche Information

Wer ca. 45 Minuten in der Altstadt von Jerusalem erübrigen kann und Freude an arabischer Architektur hat, dem sei ein Gang durch das südliche arabische Viertel empfohlen.

Die Tour ist zwar nicht der Hit, aber die Bauten der Mameluken offenbaren eine vergessene Facette von Jerusalems reicher Geschichte. Auch wenn man nur die Fassaden bestaunen kann, vermitteln sie einen guten Eindruck vom Glanz vergangener Zeiten.

Es bleibt ein Geheimnis, warum die Kreuzfahrer nicht nahe an die Tempelmauern herangebaut haben. So blieb über lange Zeit das Areal westlich und nördlich des Tempelberges ein Brachland. Erst als die Mameluken (1250-1517) kamen, füllte sich das Gelände mit Gebäuden. Die neuen Herrscher über Jerusalem errichteten Religionsschulen und Pilgerherbergen, bis das ganze Viertel westlich und nördlich des Haram-Bezirks von glattbehauenem Stein in rot, weiß und schwarz leuchtete. Die strengen Muster haben bis heute ihre Würde behalten. Manche Straßen haben sich kaum verändert, denn sie liegen abseits und werden kaum von Fremden betreten.

Die meisten Häuser sind heute Wohnhäuser und daher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ein Blick durch ein offenes Tor ist meist alles, was man erwarten darf. Eien Ausnahme bildet das Ribat Mansuri, in deren Halle man auch als Besucher hineingehen kann.

Zum Glück ist aber der interessanteste Teil eines mamelukischen Gebäudes die geschmückte Fassade. Sie hat normalerweise nur eine Tür, die von einer sehr viel größeren Nische betont wird. Die Dekoration der Türnische ist detailreich und das Mauerwerk wird von wechselnde Bänder von rotem, cremefarbenem und manchmal auch schwarzem Stein belebt.

Im Rahmen einer Altstadtrenovierung wurden in den vergangenen Jahren diese Gebäude von Grund auf hergerichtet, um für die Einwohnern moderne Wohnräume zu schaffen. Bei diesen Aktionen wurden z.T. auch die Fassaden gereinigt und hergerichtet.

Hin und wieder stößt man in diesem Viertel auf Brunnen. Sie alle sind osmanisch und stammen aus dem 16. Jahrhundert.


Serai es-Sitt Tunshuq (Palast erbaut 1388 n.Chr.)

An der Aqabat at-Takiya-Straße befindet sich auf der südlichen Seite die sehr verfallene Fassade des ominösen Palastbaus "Serai es-Sitt Tunshuq".

Die Dame Tunshuq war eine türkische oder mongolische Sklavin, die ins Ausland gehen mußte, als die kurdische Dynastie ihres Gatten oder Protektors Ende des 14. Jhs. unter dem wiederholten Ansturm von Tamerlan zu zerbrechen drohte. Es gelang ihr, genügend Geld mitzubringen, um diesen Palast 1388 zu errichten, in dem sie bis zu ihrem Tod im Juli 1398 lebte.

In der osmanischen Zeit scheint er ein Ordenshaus der Derwische gewesen zu sein. Heute gibt der Bau als arabisches Waisenhaus 150 Buben Arbeit und Unterkunft.

Ungewöhnlich ist an diesem Gebäude, daß es drei Türen besitzt, die alle verschieden gerahmt sind, um die Wirkung zu variieren.

Das Ostportal liegt dem Tempelberg am nächsten und steht dem Mausoleum direkt gegenüber. Beachtenswert sind die eingelegte Füllung über dem Portal (sog. Muqarnas), die feinen Verzahnungen von Sturz und Mittelornament und die exakte Bearbeitung des Steins.

Die mittlere Türe ist die kleinste, hat aber das breiteste Tor, das direkt in die Haupthalle führt. Ein ungewöhnlicher mehrkurviger Bogen verziert den Eingang. Die Nische ist nur 1 Meter tief und es fehlen die üblichen Bänke.

Der westliche Eingang hat eine 1,5 tiefe Nische mit Bänken. Das Tor ist über ein paar Stufen erreichbar. Ein rechteckiges Fenster ist über dem Tor angebracht, das mit einem rechteckigen Rahmen verziert ist, um das eine weitere nach Osten und Westen führender Rahmen mit Koransprüchen angebracht ist.

1552 wurde der Palast in einen großen Komplex integriert, den die Lieblingsfrau Frau von Suleiman dem Großen, Roxelana, auch genannt Khassaki Sultan, erbauen ließ. Nach dem Tod von Khassaki Sultan war hier eine soziale und religiöse Stiftung untergebracht. Im 19. Jh. diente der Bau als Residenz des ottomanischen Gouverneurs von Jerusalem. Heute ist hier ein Waisenhaus eingerichtet.




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Weitere Informationen im Internet:


Turba es-Sitt Tunshuq (Grabmal erbaut 1398 n.Chr.)

Sechs Jahre vor ihrem Tod ließ die Dame Tunshuq auf der anderen Straßenseite, dem Palast direkt gegenüber, ihr Mausoleum errichten.

Neben dem Mosaik der Türfüllung, das sich von dem gegenüber zart unterscheidet, achte man auf die Gewölbesteine in schwarz, weiß und rot. Hinter den beiden vergitterten Fenstern befindet sich die Grabstelle.


Imaret von Khasseki Sultan (erbaut um 1550 n.Chr. [Suppenküche])

Direkt östlich an das Ostportal des Serai schließt sich ein weiterer Eingang an. Es ist leicht erkennbar, daß der Bau aus einer späteren Zeit stammt, nämlich aus der ottomanischen. Es wurde kein farbiger Stein verwendet und auch der Türsturz ist anders konstruiert.

Der Eingang gehört zu einem großen Komplex, den die Lieblingsfrau Frau von Suleiman dem Großen, Roxelana, auch genannt Khassaki Sultan, erbauen ließ. Die Anlage war 1552 Gegenstand einer Stiftungs-Urkunde. Nach dem Tod von Khassaki Sultan war hier eine soziale und religiöse Stiftung untergebracht. Im 19. Jh. wurde der Bau die Residenz des ottomanischen Gouverneurs von Jerusalem. Bis vor kurzem diente das Gebäude als freie Suppenküche (Imaret) für die Armen.




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Ribat Bayram Jawish (Hospiz erbaut 1540 n.Chr.)

Dieses Gebäude ist der letzte bemerkenswerte islamische Beitrag zur Architektur von Jerusalem. 1540 stiftete es der Emir Bayram als Pilgerherberge dem Haram, doch läßt der Stil vermuten, daß es von Handwerkern gebaut wurde, die in der Mamelukenzeit ausgebildet worden waren.

Dieses Gebäude wird auch "Madrasa er-Resasiyya" genannt, weil die einzelnen Bauschichten mit Bleiplatten verfugt sind. Diese einzigartige und äußerst kostspielige Besonderheit sollte eine lebendige visuelle Trennung zwischen den Schichten schaffen, in der Wirkung an die schwarzen Linien auf einer architektonischen Zeichnung erinnernd.

Das Bauwerk, das heute ein Schule ist, beeindruckt durch seinen kunstvollen Eingang aus rosa Marmor, schwarzem Basalt und weißem Kalkstein. Man achte auf den Effekt eines einzigen Streifens aus schwarzem Basalt, die Muschelwölbung hinter dem leicht zugespitzten Bogen und die Verzahnung des tragenden Sturzes.



Ribat Allah ed-Din el-Basir (Hospiz erbaut 1267 n.Chr. - früheste Gebäude der Mameluken)

Der Erbauer dieses Pilgerhospizes war ein mamelukischer Emir, berühmt für seine Weisheit und Heiligkeit. Als er erblindete, ließ er sich in Jerusalem nieder und wurde zum "Aufseher der zwei Harams" (Jerusalem und Hebron) ernannt. Sein Urteil war so geachtet, daß man ihn trotz seiner Blindheit el-Basir, "den Hellsichtigen", nannte.

Unter den Türken wurde das Gebäude als Gefängnis für Verbrecher mit langen Haftstrafen verwendet, das erklärt das stark vergitterte Tor und die winzigen Zellen im Hof.

Dies ist das früheste Gebäude der Mameluken in Jerusalem. Kein farbiger Stein wird verwendet. Bemerkswert sind die Kannelierung des linken Torpfeilers, die behauene Füllung über dem Tor und die mit Bossen verzierten Steine über dem Spitzbogen.



Ribat Mansuri (Hospiz erbaut 1282 n.Chr.)

Der Bau dieses Hospizes auf Befehl des Sultans al-Mansur Qalawun wurde wahrscheinlich von Emir Ala ed-Din beaufsichtigt, dessen Hospiz sich direkt gegenüber befindet. Unter den Türken diente es zuerst als Kaserne und dann als Gefängnis, man sieht noch die kleinen Zellen im Hof.

Der vorspringende Eingang verengt die Straße an dieser Stelle. Der tiefe Vorhof ist mit gefurchten Steinplatten gepflastert, die an die des Hadrian-Forums (135 n. Chr.) erinnern, die im Kloster der Schwestern Zions nahe dem Ecce-Homo-Bogen erhalten sind. Die Grundstruktur des Eingangs ähnelt dem gegenüberliegenden Ribat Ala ed-Din el-Basir, läßt aber eine Weiterentwicklung erkennen: Der weite Spitzbogen zeigt farbigen Stein, auch der tragende Sturz über dem Tor, allerdings wurde noch nicht verzahnt.





Oberstes Islamisches Gericht

Der Säuleneingang stammt aus der englischen Mandatszeit. Im ersten Stock kann man die Erlaubnis für die Besichtigung der verschlossenen unterirdischen Bezirke des Haram einholen, sie wird aber nicht immer gegeben.



Madrasa Jawhariyya (Koranschule erbaut 1440 n.Chr.)

Der Gründer dieses Kollegiums war ein abessinischer Eunuch. Man gab Eunuchen meist Namen von wertvollen Steinen oder Stoffen, Jawhar heißt Juwel. Nachdem er freigelassen wurde, verhalfen ihm Energie und Begabung zu den Ämtern des Schatzmeisters und Aufsehers über den königlichen Harem in Kairo.

An diesem Gebäude ist besonders bemerkenswert, wie sehr es dem Erbauer um die direkte Verbindung zum Haram ging, um sie zu erreichen, mußte er sein Gebäude über die einstöckige Herberge Ribat Kurd nebenan bauen. Man achte auf die Fortführung der Linien über dem Sims des Ribat Kurd und die kreisförmigen Ornamente über den Fenstern.




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Ribat Kurd (Herberge; erbaut 1293 n.Chr.)

Die Bescheidenheit dieses einstöckigen Hospizes läßt einen wenig bemittelten Begründer vermuten. Sayf ed-Din (er war Kurde von Geburt) war zu dieser Zeit nur Mundschenk. Sein Aufstieg begann erst zwei Jahre später.

Als er an der Spitze eines Angriffs gegen die Tataren bei Horns 1299 fiel, hatte er es bis zum Gouverneur von Tripolis (Libanon) gebracht.

Man kann das Gebäude unbehindert betreten, aber neuere bauliche Veränderungen machen den Besuch leider wenig lohnend.




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Madrasa Muzhiriyya (Koranschule erbaut 1480 n.Chr.)

Abu Bakr Muhammad ibn Muzhir war acht Jahre Kanzleiminister für Ägypten gewesen, als er dieses theologische Lehrhaus errichten ließ. Als er 1488 in Nablus Truppen für einen Feldzug gegen den osmanischen Sultan von Rum (Konstantinopel) auszuheben versuchte, befiel ihn ein Fieber und er starb im gleichen Jahr.

Um eine direkte Verbindung zwischen seiner theologischen Schule und dem Tempelberg herzustellen, verlängerte er den zweiten Stock über das Lehrhaus der Madrasa Arghuniyya hinweg.

Man beachte den dreigliedrigen Kleeblattbogen über den acht Reihen unregelmäßiger Stalaktitengewölbe (Muqarnas), die sandfarbenen und schwarzen Verblendungen über dem Türsturz und die Dekoration der Fenster.




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Turba/Madrasa Arghuniyya (erbaut 1358 n.Chr. [Mausoleum und Koranschule])

Amir Arghun el-Kamili war höchstens dreißig Jahre alt, als er in Jerusalem im Exil starb, ein Jahr vor der Fertigstellung seiner Koranschule und seines Mausoleums.

Er begann seine Laufbahn als Gewandmeister (überwacht die Herstellung, Aufbewahrung und Pflege der Gewänder). Dann war er schon einmal Gouverneur von Damaskus und zweimal von Aleppo gewesen, ehe es ihn in dem ewigen Machtkampf der Mameluken um den Thron auf der falschen Seite traf. Nach seiner Gefangenschaft in Alexandria wurde er nach Jerusalem verbannt. Hier wandte er sich glücklicherweise seinem brachliegend Talent der Architektur zu.

Das Gebäude liegt unmittelbar südlich des Eisentores. Die Bauinschrift über dem Portal gibt als Baujahr 1358 n.Chr. an. Man beachte das mamelukische Wappen (Serviette) in der Inschrift, das den Gewandmeister offenbart.

Die ursprüngliche Höhe des Gebäudes erkennt man an dem kühnen Sims, der sich rechts fortsetzt und den Eingang zur Madrasa Khatuniyya (Madrasa auf dem Tempelberg) ausspart, die vier Jahre früher (1354) entstand. Man achte besonders auf den ganzen Verlauf der Verblendung und die feine Einlegearbeit über den Öffnungen zu beiden Seiten des Portals.




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Weitere Informationen im Internet:



Suq al-Qattanin (Baubeginn zur Zeit der Kreuzfahrer)

Viele Jahre lang waren diese Marktgewölbe voller Unrat. 1974 hat man sie aufgeräumt und restauriert, und so kann man diese besondere Art mamelukischer Bauweise wieder studieren. Der Name bedeutet "Markt der Baumwollhändler". Er wurde gebaut, um die Mieterträge wohltätigen Zwecken zuzuführen.

Blickt man die Ladenfronten entlang, entdeckt man sofort zwei Bauperioden: Die westlichen Bauten haben einen einfachen Bogen, die östlichen, also nahe dem Tempelberg, haben einen schweren Sturz. Die Verbindung in der Mitte wird von Strebebogen betont, die sich um ein schönes, mit Stalaktiten verziertes Rundfenster treffen.

Der westliche Teil ist älter und stand ursprünglich frei. Dieser westliche Teil des Marktes wurde von den Kreuzrittern erbaut und Mitte des 14. Jhs. von den Mameluken erweitert. Sie verlängerten den Markt nach Osten bis zum Haram. Das heutige Marktgebäude ist fast 100 Meter lang und beherbergt im Erdgeschoß ca. 50 Läden. Darüber befinden sich Wohnungen.

Drei Inschriften erwähnen den Emir Tankiz. Eine findet sich auf Messingbändern an den großen Türen von Bab el-Qattanin, die zweite an dem Sturz über diesen Türen, die dritte am Sims des Eingangs zu Khan Otuzbir; letztere sieht man vom Markt aus nicht, man muß durch eine schmutzige Holztür in einem hohen Spitzbogen mit einem Eisengitter treten, der ländliche Geruch zeigt an, daß man an der richtigen Stelle ist. Die ersten beiden Inschriften haben dieselbe Jahreszahl: 1336.

Das Wappen auf dem Türsturz zeigt, daß Tankiz zuerst als Mundschenk gedient hat. Während seiner 28 Jahre als Gouverneur von Damaskus und Vizekönig von Syrien (1312 bis 1340) häufte er ein riesiges Vermögen an und verwendete viel davon für die Verschönerung von Jerusalem. Als seine Loyalität verdächtig wurde, jagte man ihn aus dem Amt und ließ ihn 1340 in Alexandria ermorden.

Möglicherweise hat Tankiz den alten westlichen Teil des Marktes übernommen und in ein neues Bauvorhaben einbezogen, das dann vom prächtigen Bab el-Qattanin gekrönt wurde. Möglicherweise muß man auch ihm die beiden öffentlichen Bäder zuschreiben: Hammam el-Ayn und Hammam esh-Shifa. Letzteres war einst als "Bad des Aladin" bekannt und war mit den unterirdischen Wasserspeichern des Tempelberges durch Kanäle verbunden. Beide Bäder werden schon seit langem nicht mehr genutzt. Allerdings ist eine Renovierung geplant.

In der Mitte des Marktes stößt man auf ein Tor, das zum "Al-Quds University Jerusalem Studies Center" führt. Wenn es geöffnet ist, kann man aufs Dach hinaufsteigen, um den tollen Blick auf den Tempelberg zu genießen.




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Khan es-Sultan (erbaut 1386 n.Chr.)

Am westlichen Ende der Kettenstraße (Tariq Bab es-Silsilah) führt von der Straße ein ca. 20 Meter langer gewölbter Eingang in einen großen Hof. Heute sind dort hinter den meist verschlossenen Türen lauter Werkstätten untergebracht. Früher früher gab es hier rundherum Läden, deren Einnahmen zur Erhaltung des Tempelberges bestimmt waren.

Der heutige Name erinnert an den Gründer, den Sultan Barquq, aber er hat wahrscheinlich nichts weiter getan, als einem kommunalen Antrag auf Mieterhöhung seitens des Oberaufsehers über die Zwei Haram (Jerusalem und Hebron) seinen Segen zu geben.




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Khan es-Sultan (c) archnet.org



Madrasa/Turba Tashtamuriyya (Koranschule und Mausoleum erbaut 1382 n.Chr.)

Der Emir Tashtamur hatte in Ägypten und Syrien eine Reihe wichtiger Ämter inne, ehe er dem ewigen Machtkampf der Mameluken um die Vorherrschaft des Reichs zum Opfer fiel. 1382 wurde er nach Jerusalem verbannt, wo er sofort mit dem Bau seines Grabmals begann, an das sich eine juritisch-theologische Koranhochschule anschloß. Zwei Jahre später (1384) wurde er dort zur Ruhe gebettet, 1393 wurde sein Sohn Ibrahim neben ihm bestattet. Ein Durchgang neben dem Grab führt zu einem prächtigen, kreuzförmig angelegten Kollegium.

Die Fassade besteht aus den drei Läden, dem hohen Eingangstor, den beiden Fenstern des Grabmals, einem eleganten Balkon (sog. Mashrabiyya) und dem Brunnen.

Das prächtige Nischenportal mit eingestellten Bänken ist mit rotweißem Quaderwerk aufgeführt und mit einer Stalaktitenkalotte bekrönt.

Die Straßenfront der Grabkammer ist durch einen Rahmen vom umgebenden Mauerwerk abgesetzt. Bemerkenswert ist die kunstvolle Verblendung um die Inschrift über den Grabfenstern und die Lilienform der Verzahnung am Ende der Inschrift. Die beiden Fensteröffnungen war ursprünglich unverglast und sind mit schmiedeeisernen Gittern verziert.

Von der Grabkammer aus führt eine Steige zu dem eleganten Balkon, der von vier reich verzierten Konsolen getragen wird. Der Balkon diente dazu, daß ein Vorbeter über dem Treiben der Gasse für Passanten den Koran rezitierte.

Den westlichen Abschluß des Gebäudes bildete ein öffentlicher Brunnen (Sabil), der von einer alten Wasserleitung aus herodianischer Zeit gespeist wurde.

Östlich des Eingangsportals befinden sich drei Läden, deren Einnahmen dem Kollegium zuflossen.




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Weitere Informationen im Internet:



Turba Barakat Khan (Grabmal aus dem 13. Jh. und seit 1901 Khalidi-Bibliothek)

Dieses kleine Gebäude wird nur selten beachtet, es hat jedoch eine interessante Geschichte.

In den beiden vermauerten Spitzbögen befanden sich einst Hallen aus der Zeit der Kreuzfahrer. Rechts daneben (nahe der Ecke von der HaKotel Str., die zur Westmauer führt) ist eine romanische Verzierung über dem Fenster zu erkennen. Diese Krönung verzierte ursprünglich den Eingang zum Mausoleum des Al-Amir Barakat Khan, von dem man eigentlich kein Denkmal in Jerusalem erwartet. Barakat Khan befehligte die khwaresmischen Söldner, einen wilden Tatarenstamm, die 1244 Jerusalem für immer von den Kreuzfahrern befreite. 1246 wurde er in Damaskus ermordert und dort beigesetzt. Später ließ ihm jedoch sein Sohn Badr ad-Din Mohammed Beg in Jerusalem ein Mausoleum errichten und seinen Vater hierher überführen. Dies war das früheste mamalukische Grabmal innerhalb der Stadtmauer. Auch Badr ad-Din Mohammed und sein Bruder wurden später hier neben dem Vater bestattet.

1390 ließ ein gewisser Mohammed ibn Ahmad die drei Gräber in die Kreuzfahrerhalle nach Osten verlegen. Die beiden Bögen wurden vermauert und mit der heutigen Tür, einem typischen mamalukischen Nischenportal, einem Brunnen und einem Fenster versehen. Das Fenster ist mit einem schmiedeeisernen Gitter geschmückt. Bei den Umbaumaßnahmen wurden auch noch einen Raum darüber gesetzt; die Stützen eines Balkons ragen oben aus der Mauer heraus.

Man achte besonders auf den doppelten Sturz des Mittelfensters. Das fein ausgeführte Mittelstück des verblendeten Sturzes enthält das Wort "Allah". Das Wappen beiderseits der Inschrift hat keine Entsprechung in der Mamelukenheraldik und könnte ein persönliches Emblem des Barakat Khan sein.

1901 wurde das ehemalige Grabmal in den Lesesaal der Khalidi-Bibliothek umgewandelt. 12 000 Bücher und Handschriften bilden den kostbaren Handschriftenschatz der Familie Khalidi.




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Turba Kilaniyya (Qubbat Dschamal ad-Din Pahlavan) (Grabmal erbaut 1352 n.Chr.)

Diese Turba ist ein mamelukisches Mausoleum in seiner vollendeten Form.

Dschamal ad-Din Pahlavan, bekannt als Emir Ibn as-Sahib Kilan (von daher der Name Turba Kilaniyya) stammte aus einer Herrscherfamilie der kaspischen Provinz Gilan. Unmittelbar vor seinem Tod verfügte er testamentarisch, daß sein Neffe seinen Leichnam nach Jerusalem überführen solle.

Der Bau ist sehr symmetrisch gestaltet. Dem Nischenportal fehlen zwar die traditionellen beiseitig Bänke, aber es ist an der Decke mit einer Stalaktitenkalotte verziert, wie sie für Mausoleen und Hochschulen geradezu kanonisch wurde.

Hinter den beiden vergitterten Fensterpaaren, eines rechts und eines links der Eingangstüre, liegt jeweils die Grabkammer, unter ihnen liegen niedrige Krypten für die eigentlichen Bestattungen. Die westliche Krypta wurde nie belegt. Die östliche birgt den Leichnam von Dschamal ad-Din Pahlavan und die darüberliegende Kammer einen Kenotaph. Der Raum oberhalb der Kenotaphe wurde grundsätzlich nie benutzt. Die Grabkammern erhoben sich nämlich über zwei Scheingeschosse und wurden von einer Kuppel bekrönt.

Allerdings wurden in der Neuzeit in den hohen Grabkammern Zwischendecken eingezogen, um Wohnraum zu schaffen.

Um den Bau für jedermann als Mausoleum erkennbar zu machen, wurden die Fensterzonen entsprechend gestaltet. Hier sind sie mit Rundstäben gerahmt und weisen über beiden Fensterpaaren und dem Portal Paneele für Bauinschriften auf, die in diesem Fall aus unbekannten Gründen allerdings nie ausgeführt wurden. Die großen Fenster sind mit grünen schmiedeeisernen Gittern verziert. Diese laden die Passanten auf dem Weg zum Haram zum Totengedenken ein.

Man achte auf den schlichten Sims, der um das ganze Gebäude und die beiden Fensterpaare läuft.




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Turba/Madrasa Taziyya (Mausoleum und Koranschule erbaut 1362 n.Chr.)

Direkt östlich an die Turba al-Kinaniyya schließt sich die bescheidene mamelukische Koranschule Madrasa Taziyya an.

Taz war in seiner Jugend Mundschenk am Hof von Sultan al-Mail an-Nazir Muhammad gewesen. Er hatte 1361 die Erlaubnis erhalten, sich in Jerusalem niederzulassen. Hier verfügte er über den Bau eine juristisch-theologischen Koranschule mit integriertem Mausoleum. Er verstarb jedoch 1362 noch vor Vollendung des Baus in Damaskus und wurde dort begraben.




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Turba Dschaliqiyya (Mausoleum erbaut um 1300 n.Chr.)

In der Kettenstraße, unmittelbar vor der Treppe, die zur Talstraße hinunterführt, liegt ein äußerst schlichtes Mausoleum, die Turba Dschaliqiyya.

Laut der gut erhaltenen Bauinschrift über dem schmucklosen Fenster, ist dies das Grabmal für den Mameluken Baibars ad-Dschaliq as-Salihi. Er verstarb etwa 80-jährig im Jahr 1307.

Die Grabkammer enthält zwei anonyme Kenotaphe. Der große gehört vermutlich dem Stifer. Der kleine steht direkt daneben.




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Osmanische Brunnen (16. Jhd.)

Eine Reihe von Brunnen (Sabil) schmücken die diversen Gassen. Sie stammen alle aus osmanischern Zeit.




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Ins Netz gesetzt am 24.07.2012; letzte Änderung 07.01.2016

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