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Die Ausgrabungen in Nimrud (Kalchu)

Sir Austen Henry Layard (1817-1894)
fand 1845 eine assyrische Residenzstadt

Nimrud (Kalchu) war die assyrische Königsstadt von Assurnasirpal II. (883-859 v.Chr.)

Lage von Nimrud (Kalchu) // Nimrud - Palastreliefe

1839 - Layards Reise nach Persien

1839 trat ein 22-jähriger Engländer mit seinem Freund Mitford eine Reise von London nach Persien an. Es war Austen Henry Layard. Seine Eltern waren Franzosen, die sich in England niedergelassen hatten. Nach seiner Schulzeit hatte Layard ein Jurastudium absolviert, konnte sich aber dann eine berufliche Zukunft in England nicht vorstellen. Als ihn sein Onkel bei einem Besuch in England einlud, in Ceylon sein Glück als Rechtsanwalt zu versuchen, war er für diese Aussicht Feuer und Flamme.

In der Tascht mit 300 Pfund Sterling, die ihm seine Mutter zur Verfügung gestellt hatte, machte er sich zusammen mit einem Freund Mitford am 8.7.1839 auf die Reise nach Osten. Beide reisten auf dem Landweg bis nach Konstantinopel, dann weiter über Syrien bis ins Heilige Land und wieder zurück nach Damaskus. Nach abenteuerlichen Erfahrungen mit der Durchtriebenheit der Einheimischen erreichten die Abenteurer am 10.4.1840 die Stadt Mossul.

Von hier aus fuhren sie mit mit einem Floß den Tigris hinab bis nach Bagdad und dann weiter nach Persien. Bald darauf trennten sie sich, da sie sich über den Verlauf der Weiterreise nicht einig werden konnten. Mitford zog weiter nach Ceylon, dem ursprünglichen Reiseziel der beiden Engländer.


1842 - Layards Rückreise nach Mesopotamien

Layard war aber von der Gegend so fasziniert, daß er zurückblieb. Er verbrachte weitere Monate in Persien bei den dort lebenden Bergstämmen. Dann kehrte er im Früjahr 1842 nach Bagdad zurück, wurde allerdings unterwegs dreimal überfallen und ausgeraubt.

In Bagdad traf er einen alten Freund, den Arzt Dr. Ross. Er mietete sich eine Unterkunft nicht weit vom Wohnhaus des Colonel Taylor entfernt, der englische Interessen in Bagdad vertrat. Inzwischen waren aufgrund von Grenzstreitigkeiten Spannungen zwischen Persien und der Türkei ausgebrochen. Colonel Taylor bat Layard, den britischen Botschafter in Konstantinopel über die Lage in Persien zu unterrichten, da er bestens mit der Lage dort vertraut war.


1842 - Layard in Konstantinopel

Über Mossul, wo er mit dem Franzosen Botta zusammentraf, reiste Layard nach Konstantinopel, besprach sich kurz mit dem britischen Botschafter Sir Straford Canning, und wollte wieder zurück nach England. Doch der Botschafter überzeugte ihn, in Konstantinopel zu bleiben und ihm als Attache dienlich zu sein. So reiste er z.B. am 20. August 1842 in die europäische Türkei und berichtete nach seiner Rückkehr dem Botschafter von seinen Erfahrungen auf dem Balkan.

Dank seiner guten Arbeit blieb Layard weiter im Dienste des Botschafters, aber seine finanziellen Reserven waren fast aufgebraucht. Da erhielt er eine Anstellung als Korrespondent für die Londoner Zeitung, die "Morning Post" und die "Malta Times". Unter anderem berichtete er dabei von den Bottas Funden in Khorsabad, der im März 1843 dort einen assyrischen Palast gefunden hatte. Dieser Erfolg spornte Layard an, seinem uralten Wunsch, in Mesopotamien zu graben, intensiv nachzugehen. Er lernte deshalb Hebräisch, Syrisch und weiter semitische Sprachen.

Als Sir Stratford im Herbst 1845 nach England reisen wollte, bat Layard Layard, während seiner Abwesenheit in Mossul und Mimrud graben zu dürfen. Er bekam dafür sogar finanzielle Unterstützung durch Sir Stratford, sodass er mit eigenen 60 englischen Pfund und weiteren 60 Pfund des Botschafters sich im Oktober 1845 auf die Reise nach Mossul machte.


1845 - Layards Start in Nimrud

Eilends eilte Layard den Tigris flußabwärts und erreicht Mossul. Es war schon Ende 1845 als er begann südlich von Ninive, am Hügel Nimrud, zu graben. Schon nach wenigen Stunden stießen am 9. November plötzlich die Schaufel seiner Arbeiter auf Alabasterplatten, die - wie sich sehr bald herausstellte - Zimmerwände verkleidet hatte. Diese ersten Tafeln wiesen keine Skulpturen auf, sondern nur eine "ca. 20-zeilige" Keilinschrift (die später sogenannte Standardinschrift). Später kamen dann auch Reliefs, weitere Keilinschriften, Metallgegenstände und zerbrechliche Elfenbeinschnitzereien zum Vorschein.


Layards sensationeller Fund: Der Palast Assurnasirpals II. (883-859 v.Chr.)

Layard war der festen Überzeugung, auf das antike Ninive gestoßen zu sein und publiziert deshalb seine Funde unter dem Titel "Niniveh and its remains (deutsche Ausgabe: Auf der Suche nach Ninive, München, 1965)".

Beim Entziffern der Inschriften stellte sich dann aber später heraus, daß er in der Stadt Nimrud, dem antiken Kalchu/Kelach, grub. Und hier hatte er den prunkvollen Palast des assyrischen Königs Assurnasirpal II. (883-859 v.Chr. [Veenhof]) gefunden. Dieser hatte die alte Hauptstadt Assur verlassen und Kalchu/Nimrud zur Residenzstadt erhoben.



Layards Rückkehr nach England (1847)

Nach achtzehn Monaten harter Arbeit kehrte Layard 1847 von Nimrud über Konstantinopel nach London zurück. Dort veröffentliche er dann die Ergebnisse seiner Ausgrabungen. Das Buch wurde zu einem Bestseller und erschien 1849.



Layards Funde kommen nach Europa

Wertvolle Funde seiner Ausgrabungen ließ Layard nach London verschiffen. Über 20.000 km reisten zwei steinerne Löwen von Nimrud, die bisher mehr als 2.500 Jahre im Palast Assurnasirpals II. gestanden hatte, nach Westen. Nach wochenlanger Fahrt kamen sie dann im Britischen Museum an und wurden dort zur Sensation der Londoner Weltausstellung von 1851.

Neben Frankreich hatte jetzt auch England die einzigartigen Schätze Assyriens für seine Museen erworben.



Layards Rückkehr nach Nimrud (1849)

Bereits 1849 war Layard dann wieder am Tigris, um seine Arbeiten in Ninive und Nimrud im Auftrag des Britischen Museums bis 1851 parallel fortzusetzen und weitere Transporte assyrischer Denkmäler zu koordinieren.

In Nimrud fand er im Nordwestpalast über 100 Bronzeobjekte mit Elfenbeinreliefs. Am Fuße der Zikkurat grub er einen Ninurta-Tempel aus, dessen Pflastersteine mit den Inschriften aus den Annalen des Assurbanipal beschrieben waren. Im Allerheiligsten der Tempelanlage fand der das fast unbeschädigte Standbild des Königs, das heute im Britischen Museum ausgestellt ist.

Dann jedoch konzentrierte sich Layard auf Ninive und überließ die Ausgrabungen von Nimrud seinem chaldäischen Assistenten Hormuzd Rassam (1853), auf den William Kenneth Loftus und William Boutcher folgten (1854-55).

Rassam, der allerdings durch seine skrupellosen Praktiken berüchtigt wurde, fand am südöstlichen Teil der Zitadelle einen Nabu-Teple. Er wurde erst später durch Mallowan freigelegt. Auch fand er eine Statue Adad-Niraris III. und die seiner Mutter Semiramis und eine Stele des Schamschi-Adad V.

Loftus legte weiter den Zentralpalast, den Südwestpalast, den Nabu-Tempels und den "verbrannten Palast" frei. Im "verbrannten Palast" fand er eine Sammlung von Elfenbeinreliefs, die heute als "Loftus Elfenbein" bekannt ist.

Ihnen folgte der geniale George Smith, der in Ninive das von ihm gesuchte fehlende Stück des Sintfluterzählung aus dem Gilgamesch-Epos gefunden hatte.

1878-82 war dann noch einmal Rassam für das Britische Museum in Nimrud tätig.



Spätere Ausgrabungen im 20. Jh.

Im Jahr 1949 kehrten die Briten unter Leitung von Max Mallowan von der "Britischen Schule für Archäologie im Iraq" nach Nimrud zurück.

Von 1960 bis 1963 gruben hier David Oates und

von 1989 an John Curtis.

Seit 1957 konzentrierten sich alle Grabungen auf den südöstlichen Bereich der Stadt. Dort wurden Reste einer gewaltigen Palastanlage und Speicher freigelegt - das "Fort Salmanasser", wie die Ausgräber es nannten.




Die Stadt: Nimrud - Kalchu/Kelach

Biblischer Bezug

Die Stadt Kalchu taucht in der Bibel unter dem Namen "Kelach" auf.

1Mo 10,8 Und Kusch zeugte Nimrod; der war der erste Gewaltige auf der Erde.
1Mo 10,9 Er war ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN; darum sagt man: Wie Nimrod, ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN!
1Mo 10,10 Und der Anfang seines Königreiches war Babel und Erech und Akkad und Kalne im Land Schinar.
1Mo 10,11 Von diesem Land zog er aus nach Assur und baute Ninive und Rehobot-Ir und Kelach
1Mo 10,12 und Resen zwischen Ninive und Kelach: das ist die große Stadt. -


Nimrud: die assyrische Residenzstadt

Unter König Salmanasser I. (1273-1244 v. Chr.) wurde Kelach/Nimrud zum Zentrum des assyrischen Reiches ausgebaut (bisher war Assur die Hauptstadt gewesen).

Berühmte Herrscher von Nimrud sollten später der Begründer des neuassyrischen Reiches König Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.) und dessen Sohn Salmanasser III. (858-824 v. Chr.) werden. Dieser erbaute eine Zikkurat und einen Tempel daneben.

Nimruds Lage

Die Stadt liegt am Ostufer des Tigris, 37 km von Mossul in südöstlicher Richtung, umgeben von einer insgesamt 8 km langen viereckigen Mauer.

Nimruds Bauten

Im Südwesten und Südosten erheben sich mehrere auf Plattformen aus Lehmziegeln errichtete, mehr als vierzig Fuß über dem Fluss aufragende Bauten. Darunter sind der Ninurta-Tempel, der Nordwest-Palast, der Südwest-Palast, der Sargon-Palast und noch andere hervorzuheben, vor allem jedoch die Zikkurat, die wie ein kegelförmiger Hügel aussieht und deren Ruinen eine Höhe von 17 Metern erreichen. Sie befindet sich im Nordwesten der Stadt und besaß ursprünglich eine viereckige Basis. Höchstwahrscheinlich hatte sie auch eine spiralenförmige Rampe, die - wie bei dem Minarett von Samarras mulwiya - zu den oberen Plattformen führte.

Nimruds Nordwest-Palast

Der Palast des Königs Assurnasirpal II. (883-859 v.Chr. - Gründer des neuassyrischen Reiches), bekannt als Nordwest-Palast, umfasst eine Fläche von 200 x 130 m und besteht aus drei Flügeln: der Verwaltung, den Empfangsräumen und dem Wohnungsflügel. Heute betritt der Besucher den Palast durch Torwege und schreitet zwischen Stieren und Löwen mit Menschenköpfen und Falkenflügeln dahin. Diese enormen Standbilder waren als Beschützer der Stadt gedacht. An der Ausgrabungsstätte findet man noch einige Tafeln mit schönen Basreliefs, obwohl die meisten dieser Kunstwerke von ausländischen Forschern, die hier Ausgrabungsarbeiten durchführten, fortgeschafft worden sind. Grafik des Nordwest-Palastes

Den tiefsten Eindruck macht jedoch der Thronsaal, dessen Fläche 45,5 x 10,5 m beträgt.

In einem tiefen Brunnen (18 m tief) wurde eine große Anzahl von Elfenbeinarbeiten vorgefunden, unter anderem die »Mona Lisa von Nimrud« und ein Prachtstück, das eine mit einem Äthiopier kämpfende Löwin darstellt. Dieses Kunstwerk ist vergoldet und mit Lapis-lazuli und Achat intarsiert.

Beeindruckend ist auch die große Stele von Assurnasirpal (die sogenannte Bankett-Stele), auf der er seine militärischen Taten, baulichen Leistungen und das 10-tägige Fest für 59.654 Menschen beschreibt, das er zur Eröffnung der neuen Zitadelle und des Palastes feierte.

Nimrud Zentralpalast

Der Zentralpalast war Tiglat-Pilesers III. (745-727 v.Chr. [Veenhof] Residenz.

Nimruds Südwest-Palast

Der Südwest-Palast gehörte Asarhaddon (681-669 v.Chr. [Veenhof]. Östlich dieses Palaste stand das sogenannte Essida, der Tempel von Nabu, der Gottheit der Weisheit, Künste und Wissenschaften und Sohn der babylonischen Gottheit Marduk. Dieser Tempel war das Werk der Königin Samuramat (Semiramis), der Mutter von Adad-Ninari III. (810-782 v. Chr.).




Der schwarze Obelisk von Salmanasser III.

Unter den einmaligen archäologischen Schätzen wurde auch ein schwarzer Obelisk geborgen, der später im Britischen Museum einen würdigen Platz erhalten sollte.

Erst nach Jahren konnte der Text entziffert werden. Dabei stellt es sich heraus, daß der schwarze Obelisk ein Siegesmonument des Assyrerkönigs Salmanasser III. (858-824 v.Chr.) war, des Zeitgenossen und Gegners König Ahabs von Israel (1Könige 18). Die Bibel selbst berichtet nichts über Salmanasser III..

Dieser Obelisk stand ursprünglich auf dem Hauptplatz in Nimrud/Kalchu.

Biblischer Bezug

Die Aufzählung enthält eine hochinteressante Aussage zur biblischen Überlieferung aus jener Zeit.

Dreimal, im 6., 11. und 14. Regierungsjahr, stieß der Assyrer bei seinen Eroberungszügen in den Westen auf eine Allianz von Königen aus Syrien und Palästina. Im Feldzug des 18. Regierungsjahres trat ihm aber nur noch ein König in diesem Gebiet entgegen. Die assyrischen Texte nennen als Gegner nur den biblischen König Hasael von Damaskus.

Über den ehemaligen Verbündeten des Damaszenerkönigs, Jehu von Israel, gibt das Siegesmonument aufschlußreiche Auskunft. Das zweite Reliefband zeigt eine lange Reihe schwerbeladener Abgesandter in reichverzierten Tuniken und Zipfelkappen. Der dazugehörige Text lautet:

"Tribut Jauas von Bit-Huturi: Silber, Gold, eine Schale von Gold, Näpfe aus Gold, Becher aus Gold, Eimer aus Gold, Bleistücke, Zepter für den König und Balsamodendron-Hölzer empfing ich von ihm."

"Jauas von Bit-Huturi" ist niemand anderer als König Jehu von Israel. Die Assyrer nannten Israel "Bit-Huturi", was "Haus Omri" bedeutet.

Dieser Hinweis aus der Residenz am Tigris liefert den Schlüssel zum Verständnis der Einbußen des Nordreiches Israel unter der Herrschaft Jehus.

Tribut leistet nur, wer sich freiwillig beugt; vom besiegten Feind gibt es Beute. Jehu war Damaskus abtrünnig geworden und hatte dem Assyrer Geschenke gebracht. Für die Treulosigkeit gegenüber dem alten Verbündeten, für die Abwendung von Damaskus haben Jehu und sein Sohn Joahas und vor allem das Volk Israel bitter bezahlen müssen. Kaum hatte der Assyrer Syrien den Rücken gekehrt, als Hasael von Damaskus gegen Israel einen vernichtenden Revanchekrieg zu führen begann. Mit welchem Resultat, sagt die Bibel: "Zur selben Zeit fing der Herr an, Israel zu mindern, denn Hasael schlug sie in allen Grenzen Israels ... hatte sie gemacht wie Staub beim Dreschen."

Der Umstand, daß Assyrien nach Salmanasser III. eine Reihe von schwachen Herrschern hatte, verschaffte den beiden Königtümern Israel und Juda noch einmal eine Atempause, die allerdings nur einen Aufschub bedeutete. Weil Assyrien mit Unruhen im eigenen Land beschäftigt war, konnten sich Israel und Juda von 825 bis 745 v. Chr. einer friedlichen Zeit erfreuen.

Vier Jahrzehnte herrschte Usia, der Aussätzige, als König in Juda. In Israel regierte König Jerobeam III). Unter seiner langen Regierung blühte Israel wieder auf, wurde reich, frönte dem Luxus, und die Oberschicht lebte selbstgefällig in den Tag hinein, süchtig, verdorben, lasterhaft. Warnend erhob der Prophet Amos seine Stimme. Er geißelte das zügellose Wohlleben seiner Zeit.



Nimrud - die Ausgrabungsareale



Quellen



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Ins Netz gesetzt am 5.11.2007; letzte Änderung: 29.05.2019
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